Wie wird man eigentlich ein Mixed Wrestler?
Erste Schritte
Nun, in dem Fall eher durch Zufall. Ich habe Ende 2016 als Domina angefangen und bin dann schließlich in Nürnberg gelandet. Dort habe ich, in dem damals großen Salon, die Wrestlingmatte zum ersten Mal gesehen. Neugierig fragte ich nach, wofür diese Matte denn sei, da bis dahin der Fetisch für mich (fast) völliges Neuland war. So nahm dann alles seinen Lauf…
Das Kämpfen auf der anderen Seite war nichts Neues für mich. Im Alter von 6 Jahren betrat ich zum ersten Mal ein Karatedojo. Mein Bruder sollte mit Karate anfangen und ich musste mit, weil niemand zu der Zeit auf mich aufpassen konnte. Der erste Schritt auf die Matte und ich war hin und weg. An dem Tag hat meine Mama zwei Verträge unterschrieben. 🙂
In der elften Klasse fing ich neben dem klassischen Shotokan-Karate mit dem deutschen Ju-Jutsu an. Dort kam ich zum ersten Mal mit dem Bodenkampf, dem Bodenrandori, in Kontakt. Während ich mich heutzutage pudelwohl auf der Matte fühle, war das früher das genaue Gegenteil. Die ersten Male, die mein Trainingspartner auf mir lag und ich versuchte, irgendwie aus der Position zu entrinnen, kam jedes Mal Panik in mir auf und ich fuchtelte mehr wie wild umher, als richtig zu kämpfen. So geht es wohl den meisten Anfängern. Man kann die Analogie zu dem Erlernen einer neuen Sprache ziehen. Zuerst versteht man gar nichts, dann einzelne, zusammenhanglose Brocken und am Ende kann man komplexe Sätze bilden und alles ergibt einen Sinn. Es fühlt sich so schön an, flüssig in der Bewegung zu sein, man mehr oder weniger nicht mehr nachdenkt, sondern es passiert einfach wie von selbst. Natürlich muss man strategisch denken, aber eben nicht mehr an die detaillierte Ausführung einer Technik.
Und wie wurde ich jetzt ein Mixed Wrestler? Ganz einfach, ich habe meinen ersten Termin 2017 ausgemacht und dann kam der Tag X. Viele Gäste sagen mir, wie aufgeregt sie beim ersten Treffen sind und einigen sieht man es auch deutlich an. 😉
Meine erste Wrestlingsession
Mindestens genauso erging es mir bei meiner ersten Wrestlingsession. Ich war extrem aufgeregt. Bis dato habe ich ja nur ein wenig Bodenrandori gemacht, denn unser Training bestand ja aus sehr vielen Komponenten, sodass der Bodenkampf eher nebensächlich war. Und ich hatte einige Jahre Pause aufgrund meiner Ausbildung und dem Studium dazwischen. Was erwartet mich? Wie stark wird er sein? Wie wird er kämpfen? Oder mit anderen Worten… hoffentlich blamiere ich mich nicht bis auf die Knochen, denn eine große Schnauze hatte ich von Anfang an!
Ich erinnere mich noch sehr genau an den Kampf. Gebucht war eine Stunde, also 60min Action auf der Matte. Er in einem kurzen, weißen Ringertrikot und ich in einem von ihm mitgebrachten, sehr knappen, schwarzen Badeanzug. Beide trugen wir ebenso von ihm mitgebrachte, klassische Ringerschuhe. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, kommt mir spontan das Symbol Yin und Yang in den Sinn. Er in weiß (Yang) und ich in schwarz (Yin). Er männlich und ich weiblich. Und den Kampf kann ich genauso beschreiben: Es war ein äußerst schweißtreibendes und erregendes Kräftemessen. Runde um Runde haben wir hart um die Punkte gekämpft. Innerlich habe ich teils geflucht: „Was habe ich mir da eigentlich drauf eingebildet, bist du wahnsinnig, oh mein Gott, wenn jeder Kampf so anstrengend wird, war ja eine blöde Idee.“ Im Wechsel mit: „Den mache ich fertig, oh ihm wird sein Grinsen noch vergehen, gleich hab ich dich.“ Jedes Mal, wenn ich tappen musste, dachte ich mir: „Der Sieg gleitet mir immer weiter aus den Händen.“ Jedes Mal wenn er tappte, kam die Zuversicht zurück. Es war wie verhext, ein Punkt für ihn, ein Punkt für mich. So schaukelten wir uns immer höher. Jeder von uns keuchte und schnaufte heftig. Der Schweiß lag inzwischen in Pfützen auf der Matte, sodass wir in einer schnellen Pause diese mit Handtüchern wegwischten. Dann endlich schien seine Kraft nachzulassen und ich holte mir schließlich den Sieg. 9:8 war der Endstand. Gefühlt jeder meiner Muskeln war in den folgenden Tagen am Jammern, aber ich war mega happy. Das breite Grinsen war mir nun gewiss und das Feuer und die Leidenschaft für das Kämpfen war wieder in mir entfacht. Ich wollte mehr. So traf ich über die Monate viele, interessante Männer, die sich mit mir messen wollten. Viele Männer mit spannenden Geschichten und Phantasien. Viele Männer von unterschiedlicher Statur und Fitnesslevel.
Ein Jahr später
Und dann, fast auf das Datum genau, ein Jahr später, kam mein erster „Gegner“ wieder auf die Matte. Und was soll ich sagen, ich habe zwar viel Erfahrung gesammelt und in der Zwischenzeit auch mit dem MMA und Grappling angefangen, aber da war sie wieder, die Aufregung. Wie wird es dieses Mal ausgehen? Wird es einen deutlichen Unterschied geben? Wieder eine Stunde Action, wir schenkten uns nichts, aber ich war dieses Mal haushoch überlegen. Den genauen Punktestand weiß ich leider nicht mehr, nur das es X:0 für mich stand. Dieses Mal habe ich mehr oder minder mit ihm gespielt, auch wenn ich mich anstrengen musste. Das war an diesem Tag eine Bestätigung für mich selbst. Wow, die Sessions und das strikte Training haben sich ausgezahlt. Ich war in nur einem Jahr deutlich stärker geworden. Meine Bewegungen und Techniken flüssiger. Ich als Person selbstbewusster. Ich bin ein Mixed Wrestler aus Leidenschaft geworden und bin es heute noch immer!
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